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Ein kleines Weihnachtswunder

Vor knapp einem Jahr habe ich einen Brief von einer 86-jährigen Dame bekommen, der mich zutiefst berührt hat. Ein Jahr später hat sie mir erneut einen Brief geschickt, der mein innerstes aufwühlte und Herzleuchten verursachte.  Maria bat mich, den Brief zu veröffentlichen, weil sie hofft, dass viele sich über die geschriebenen Zeilen Gedanken machen könnten. Nehmt euch bitte Zeit für den Brief!

Sehr geehrter Herr Jando,
nunmehr ist ein ganzes Jahr vorbei und ich hoffe, Sie können sich noch ein wenig an mich erinnern?!? Inzwischen bin ich ganze 86 Jahre alt. Obwohl meine Nichte sagt, Zahlen sind relativ. Sie sagt immer, wenn wir alle nicht wüssten, wie alt wir sind, welche Konfektionsgröße wir tragen und was eine Waage sagt, hätten wir tausende von Problemen weniger. Und ich finde sie hat vollkommen recht!!
Vor ein paar Tagen hat sie mir Ihr neues Buch geschenkt. Ein kleines Paket kam an. Alles liebevoll verpackt. Auch Ihr Buch. Es war in kein Papier eingepackt, aber sie hatte eine große rote Schleife drum gemacht. Freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn etwas von ihr kommt.
Mit ganz viel Freude habe ich Ihr neues Buch, mit dem tollen Titel „Ein Sternenzauber leuchtender Briefe“ gelesen. An manchen Stellen kamen mir die Tränen. Sie bewegen Herzen. Ich erinnerte mich an die wunderschönen Briefe, die mir mein verstorbener Mann früher geschrieben hatte. Habe sie aus dem alten Schuhkarton geholt, den ich früher mal mit bunten Herzen, Sternen und Blumen beklebt habe. Sie glitzern immer noch so voller Liebe, wie damals, als ich sie bekommen habe.
Es war als wären diese Erinnerungen, diese Momente nur paar Augenblicke entfernt. Viele Tausende unvergesslich schöne Erinnerungen, die ich alle in meinem Herzen tragen darf. Dafür danke ich dem Schicksal, dass es mir alle diese Menschen geschenkt hat und ich meine Reise mit ihnen gehen durfte und darf.
Nachdem ich gestern länger mit meiner Nichte gesprochen habe über unvergesslich schöne Erinnerungen, gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Momente, wo ich mit ihr Hand in Hand gegangen bin als sie klein war, wo wir uns vor Lachen gekugelt haben usw., hat sie wieder eine wunderschöne Idee in mich geweckt.
In den nächsten zwei Wochen werde ich sechs Ihrer Bücher verschenken. Sie fragen sich warum? Weil wir mehr Freude und Liebe schenken sollten und da fange ich bei mir an. Weil dort der Anfang ist. Wir leben in Zeiten mit viel Angst, ob es das Alleinsein ist, ob es Covid ist, ob es Mobbing und Hassreden sind, ob es Neid ist oder nur Unfähigkeit, und genau dort will ich Ansetzen. Dieses Jahr verschenke ich es mit einem Brief an die jeweilige Person, die ich eigentlich nur flüchtig kenne. Zwar habe ich letzte Nacht wenig geschlafen, da ich in meinem Kopf festgelegt habe, wer ein Buch und einen Brief bekommt, aber es war es 100%-ig wert!
Das erste Buch geht an meine Nachbarin, die letztes Jahr ihren Mann verloren hat, und jeden Tag kämpft, um zu lächeln. Sie backt wundervolle Motivtorten und schenkt mir ab und an ein Stück. Es sind sehr leckere Kalorienwunder!
Das zweite Buch geht an den jungen Mann, der mir zuletzt Skype eingerichtet hat, damit ich meine Familie und Freunde auch sehen kann. Und da ich davon so viel Ahnung habe, wie die Kuh vom Singen, hat er mir alles Punkt für Punkt aufgeschrieben, damit es jedes Mal auch klappt. Inzwischen klappt es sogar ohne den Zettel.
Das dritte Buch geht die nette Kassiererin im Supermarkt, die, wenn sie da ist, meistens die Sachen vom Band in meinen Einkaufswagen legt. Immer wenn ich mich bedanke, sagt sie: „ Das ist doch selbstverständlich!“
Das vierte Buch geht an Frau Ilse im Blumenladen, bei der ich seit Jahren die Blumen für den Friedhof hole. Wir erzählen öfters zusammen und lachen. Sie ist kurz vor der Rente, und sie strahlt mit ihren Blumen um die Wette. Da fühlt man sich, als würde man in einen Laden gehen, wo nur die Sonne scheint.
Das fünfte Buch geht an den witzigen Paketboten, der sehr hilfsbereit ist, auch wenn er manchmal sagt: „Da sind aber viele Steine im Karton.“ Und dann lachen wir zusammen.
Das sechste Buch geht an die süßig geduldige Assistentin bei der Physiotherapie, die geduldig die Tür aufhält, bis ich durchgekrochen bin. Mit meiner MS bin ich nicht die schnellste Schnecke auf der Welt.
Gemeinsam aus Sorgen Lächler zaubern. Gemeinsam aus Sorgen Humor zaubern. Das können wir alle. Denn unsere Herzen haben alle denselben rhythmischen Klang und spielen die gleiche Musik.
Wir können Freude und Liebe schenken. Und ich will für mich damit anfangen. Es bereitet mir ein außerordentliches Vergnügen.
Dankeschön an meine zauberhafte Nichte für diese wundervolle Anregung und Dankeschön an Sie Herr Jando für dieses wunderschöne Buch, welches Herzensfreude und Liebesmagie in sich trägt.
Bitte bleiben Sie gesund und hören Sie niemals auf Liebe zu verschenken.
Einen herzlichen Tag
Maria Schneider

Auf den Brief von Maria kam es zu einem kleinen Weihnachtswunder. Ich hatte den Schrieb nach vorheriger Erlaubnis auch bei Facebook und Instagram online gestellt und daraufhin eine riesige Resonanz bekommen. Aber wie es zum Weihnachtswunder gekommen ist, beschreibt Anton Bühr in seinem Kommentar, der Frau Schneider und mich zutiefst berührte. Endlich einmal nach längerer Zeit, dass “Social Media” den Namen zurecht trägt.

“Vor ein paar Tagen habe ich dieses Buch mit einem sehr persönlichen emotionalen Brief von meiner Schwester bekommen. Wir hatten seit vier Jahren Streit und haben nicht mehr miteinander geredet.
Der herzberührende Brief dieser Frau Schneider hat meine Schwester bewegt. So tief bewegt, daß sie über ihren Schatten gesprungen ist und mir geschrieben hat. Was wie ein Weihnachtswunder ist, dafür bin ich sehr dankbar. Endlich ist dieser Streit, diese Stille beendet. Auf meinem Herzen liegen keine Ketten mehr. Selbst habe ich mehrfach in der Vergangenheit versucht mit meiner Schwester zu reden – ohne Erfolg. Umso mehr bin ich jetzt unendlich dankbar und überaus glücklich. Wir sind als Geschwister wieder vereint und Weihnachten hat wieder einen Sinn.
Habe diesen Brief von dieser wunderbaren Frau Schneider auch selbst vor kurzem gelesen. Menschen, die mit ihrem Herzen so denken, handeln, sind die Schönsten. Sie hat aus deinem Buch, welches aus Papierblüten besteht, echte Blumen gemacht und Luft zum Atmen gegeben. Das ist Magie und mit dieser Magie hat sie auch meine Schwester berührt. Danke!”